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Drei Frauen aus dem Ortsverband Würzburg-Lengfeld wurden interviewt. Sie nähten Masken und spendeten.  Was ihre Motivation ist, was für Resonanzen sie bekommen haben und wie sie sich dabei fühlen – das waren die Fragen.

Gabi Fröhlich ist nicht nur im KAB-Leitungsteam, sondern auch ehrenamtlich im Malteser Besuchs- und Hospizdienst. Weil sie 60+ ist, durfte sie niemanden besuchen. Ganz bald nähte sie Mund- und Nasenschutz, erst für sich selbst als Vorsichtsmaßnahme, um niemanden anzustecken, sagte sie. Dann als Geschenke im Verwandten-, Freundes- und Bekanntenkreis. Dann haben Kolleginnen im Pflegebereich angefragt, ob Gabi welche für sie nähen würde. Außerdem sprach sich herum, dass Ingrid Pollak (siehe unten) Näher/innen sucht. Auch da half sie mit.

Die Resonanzen waren alle positiv. Anfangs waren die Beschenkten erstaunt und legten den Mund- und Nasenschutz „für den Notfall“ beiseite und waren dann froh, einen zu haben. Alle waren begeistert.

Warum? Gabi: „Alles, was man für andere tut, tut gut. Wenn ich schon sonst aus Altersgründen nichts anderes tun darf, dann kann ich doch das tun, was ich kann und damit Gutes tun.“

Ingrid Pollak und ihr Mann Richard sind das „Diakonen-Ehepaar“ in Lengfeld. Sie haben sich schon immer kreativ für andere eingesetzt. Schon bevor in Deutschland Corona ausbrach, hat Ingrid 100 Masken genäht, weil ihr die Idee, die sie über WhatsApp bekommen hatte, gefiel. Sie ist Initiatorin eines Strick- und Nähkreises, der für das Altenheim St. Paul in Heidingsfeld vor Jahren Demenzdecken genäht hat. Nun bat die Leiterin des Altenheims um Hilfe. Sie hätten keine Schutzausrüstung, weil sie keinen Corona-Fall im Haus haben. Das sollte aber so bleiben und deshalb müssten die Mitarbeiter/innen mit Mund-Nasen-Schutz ausgestattet werden. Als nun heraus kam, dass 1.000 Stück benötigt werden, hat Ingrid einige Telefonate geführt und ein Plakat in einer Apotheke ausgehängt. Wer kann nähen und macht mit? Stoffe werden zur Verfügung gestellt. So waren es 50 Näher und Näherinnen, plus JVA-Insassen, die genäht haben. Ein Asylbewerber aus Bergtheim rief an und wollte das auch durch selbstnähen unterstützen, weil er ein Stück Hilfe, die er selbst erfahren hatte, zurückgeben wollte. Zehn Vietnamesen mit 7 Nähmaschinen beteiligten sich, weil sie gerade ihre Geschäfte und Restaurants nicht betreiben konnten und helfen wollten.

Eine Telefonzelle im Garten von Pollaks war der Umschlagsplatz. Zuerst konnten die Leute dort Stoffe abholen. Dann Gummis hinlegen, die ausgegangen sind und noch benötigt wurden. Dann Masken abholen, wer wollte, eine Spende hinterlassen. Dann wurde nochmal rum gefragt, wer noch Stoffe hat, die dort abgelegt wurden und wieder konnten Masken ausgegeben werden. Die Kommunikation lief entweder über das Telefon oder vom Balkon herunter.

Außer denen für das Altenheim wurden weitere 375 Stück genäht. 75 Stück für die Kirchengemeinden und 300 Stück, wer eine braucht. Mit den Spenden wurden zwei Afrika-Projekte unterstützt. Eines ist ein „Nähmaschinen-Projekt“ in Nigeria, wo Frauen zu Näherinnen ausgebildet werden sollen und das andere ist Children Care Uganda (siehe extra Artikel).

Nach ihrer Motivation und der Resonanz gefragt, antwortete Ingrid: „Ich habe Spaß am Nähen und Organisieren. Ich sehe die Not und setze meine Fähigkeiten zum Wohl anderer ein. Es gibt ein gutes Gefühl, weil es keine Einbahnstraße ist. Es macht Begegnung möglich und ist ein Geben und Nehmen. Ich habe viele neue Leute kennen gelernt. Wir haben uns alle geduzt. Es ist ein Netzwerk entstanden, z. B. auch mit Eine-Stunde-Zeit. Viele Alleinstehende hatten eine Aufgabe und freuten sich bei der Übergabe an der Telefonzelle über ein Gespräch zum/vom Balkon. Diese Gespräche waren in dieser Zeit sehr wichtig. Nach Corona wird ein Helferfest mit allen Beteiligten sein.“

Ingrid Oppolzer ist in einem der beiden GA-Kreise der KAB Lengfeld (GA = Glaube im Alltag leben, Anm. der Red.). Von einer befreundeten Geschäftsinhaberin im Landkreis Würzburg wurde sie gefragt, ob sie Masken nähen würde, die sie verkaufen kann. Ingrid wollte nicht nähen, damit Gewinn damit gemacht wird, sondern damit gespendet wird. Ingrid kennt Mimi, die Gründerin von CCU, weil ihre Eltern mit ihr und ihrem Mann im GA-Kreis sind. Deshalb ergab das Masken nähen für sie einen Sinn, wenn dafür Spenden rein kommen. Ihre Freundin hat selbst auch ein Projekt in Sri Lanka, das sie unterstützt. So wurden die Mund-Nasen-Schutze im Laden zu 10 € verkauft und die Einnahmen für die beiden Projekte geteilt. Für 10 € kann man in Sri Lanka eine Familie eine Woche lang ernähren.

Die Kunden waren so begeistert von den Masken und den Projekten, dass eine Bestellliste erstellt werden musste. Trotz gesundheitlicher Beschwerden in den Armen und im Rücken nähte Ingrid ca. 130 Stück. Und sie fühlt sich gut dabei, weil ihr Produkt so gut ankam und durch den Spendenzweck das Nähen einen Sinn hatte.

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